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Fernanda Steiner-Pulimeno
Bilder
schaffen Verbindungen: In scheinbarer Ruhe geben sie dem Innern ein Gesicht,
ohne es zu veräussern. Alles Plakative ist der Künstlerin fremd. Sie
verschleiert lieber, als dass sie enthüllte, und baut Fluchtburgen, um sich
zurückziehen zu können. Selbst die blosse Haut ihrer Frauengestalten ist noch
Gewand, notdürftiger Panzer wider die Unbill der Welt, der das Empfinden sonst
schutzlos begegnet. Dem Ausgeliefertsein setzt sie trotzig ihre Italianità
entgegen, das unvergleichliche südliche Licht. Tarnt subkutanen Schmerz mit dem
warmen Farbklang der Terra Natale. Ocker, Sepia, Umbra, Siena heissen die
Schutzheiligen, mit deren Hilfe sie das Allerflüchtigste bannt. Wirbelnden
Derwischen gleich taucht das Geistgewölk des Himmels auf Erden in die sich
öffnenden Schlünde, und der Boden verleibt es sich ein. Das ist lustvoll und
abgründig und schalkhaft zugleich, wie ein Augenzwinkern der Faunin, die sich
im sonnendurchglühten Hof des Mezzogiorno ein Spiegelei brät. Und dann das Rot: satt und schwer in samtenen Tüchern, deren Falten Geheimnisse hüten, ehe sie sich ins Bild setzen durften als überlebte Passion, als Bühnenvorhang, der eine Atempause beschert, als Morgenrot im Geäst vor der lichtblau und türkis heraufdämmernden Zukunft . Abgründe
aber tun sich da und dort auf. Mauern versperren die Sicht, wollen erklommen
sein, übersprungen, hinter sich gelassen von einer, die in ihrer ganzen
Schutzlosigkeit frohgemut geht. So handeln die Bilder auch immer wieder von
Aufbruch, wenn die Zeit der Kinderspiele vorbei ist und notwendige Einsicht
gelang. Und wo eine Höhle das Heimlichste birgt, weist ein nur scheinbar
achtlos verlorenes Accessoire den Weg: Ariadne hat ihre Spuren gelegt. Wer
ihnen zu folgen vermag, ist auch in der einsamen nächtlichen Heimat zuhause.
Kann sich dem dahinfliessenden Lavastrom anvertrauen und dem in Farben geborgenen
Lebensmut. Fernanda
Steiner-Pulimeno malt seit gut zwanzig Jahren. Sie hat sich ihre Bildsprache
autodidaktisch und in Weiterbildungskursen an der Zürcher Hochschule der
Künste erarbeitet. In ihren verschlüsselten Botschaften aus dem Urgrund geht es
ihr nicht um "das perfekte Bild". Es ist vielmehr die Innenschau des
Lebens selbst, die sie interessiert, der im Sinnlichen darstellbare Sinn, die
so vielleicht zu vermittelnde Erkenntnis einer unverhofft klar gewordenen
inneren Wahrheit des Seins. |